Berühmte Künstler & Ästhetik in Nürnberg: Von Dürer bis zur modernen Schönheitschirurgie

Die berühmten Künstler Nürnbergs sind Albrecht Dürer (1471–1528), sein Lehrmeister Michael Wolgemut (1434–1519), der Erzgießer Peter Vischer der Ältere (um 1455–1529), der Bildschnitzer Veit Stoß (um 1447–1533) und der Steinbildhauer Adam Kraft (gestorben 1509). Ihre Hauptwerke stehen bis heute dort, wo sie entstanden sind: das Sebaldusgrab in St. Sebald, der Englische Gruß und das Sakramentshaus in St. Lorenz, Dürers Wohnhaus in der Albrecht-Dürer-Straße 39 und Dürers Kaiserbilder im Germanischen Nationalmuseum. Dieselbe Frage beschäftigte sie alle: Wie lässt sich ein menschlicher Körper so darstellen, dass er stimmig wirkt? Genau diese Frage nach Proportion, Symmetrie und Ausdruck stellt sich auch in der plastischen und ästhetischen Chirurgie.

Wo kannst Du in Nürnberg Werke von Albrecht Dürer sehen?

Der wohl bekannteste Sohn der Stadt ist Albrecht Dürer. Ab 1509 wohnte und arbeitete er bis zu seinem Tod 1528 in dem Fachwerkhaus in der Albrecht-Dürer-Straße 39 unterhalb der Kaiserburg. Es ist eines der wenigen unzerstörten Bürgerhäuser aus Nürnbergs Blütezeit und wurde bereits 1828 als Museum eingerichtet.

Im Albrecht-Dürer-Haus siehst Du keine Gemäldegalerie, sondern eine Werkstatt und ein Wohnhaus. In der Druckwerkstatt werden historische Drucktechniken erklärt und mehrmals täglich Drucke auf einer großen Hochdruckpresse vorgeführt, die 1971 zum 500. Geburtstag des Künstlers nach einer Zeichnung Dürers nachgebaut wurde. Das Graphische Kabinett zeigt in Wechselausstellungen Bestände der Grafischen Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg. Eine Besonderheit sind die Führungen mit einer Schauspielerin in der Rolle von Agnes Dürer, die den Haushalt aus der Perspektive der Ehefrau erzählt. Dürers Grabstein befindet sich auf dem Johannisfriedhof.

Gemälde von Dürer findest Du im Germanischen Nationalmuseum: die beiden monumentalen Tafeln Kaiser Karl der Große und Kaiser Sigismund, entstanden um 1511 bis 1513 im Auftrag des Rats. Sie dienten als Türen des Schreins, in dem die Reichskleinodien in der Nacht vor der jährlichen Heiltumsweisung verwahrt wurden. Viele seiner berühmtesten Bildnisse befinden sich heute in anderen Sammlungen.

Dürers Proportionslehre: Gibt es ein messbares Maß für Schönheit?

Dürer hat die Frage nach Schönheit nicht als Geschmacksfrage behandelt, sondern als Rechenaufgabe. Ab etwa 1500 vermaß er systematisch den menschlichen Körper. Das Ergebnis dieser Jahre ist der Kupferstich Adam und Eva von 1504: eine mit Zirkel und Lineal konstruierte Figurenpaarung, orientiert an der Proportionslehre des Vitruv und an antiken Statuen wie dem Apoll vom Belvedere und der Venus Medici.

1525 erschien in Nürnberg die Underweysung der Messung, das erste Geometrielehrbuch in deutscher Sprache. Dürer schrieb es ausdrücklich nicht nur für Maler, sondern auch für Goldschmiede, Bildhauer, Steinmetzen und Schreiner. Geometrie war für ihn die Grundlage der Malerei.

Entscheidend ist aber sein letztes Buch. Die Vier Bücher von menschlicher Proportion wurden 1528 in Nürnberg bei Hieronymus Andreae gedruckt, kurz nach seinem Tod. Darin gibt Dürer das eine antike Idealmaß auf. Das erste Buch konstruiert je fünf männliche und weibliche Körpertypen, das zweite je acht weitere, dazu die Proportionen eines Kindes. Das dritte Buch zeigt Verfahren, mit denen sich die Maße einer Figur gezielt verändern lassen. Dürer interessierte sich am Ende für die Vielfalt menschlicher Körper, nicht für die eine Norm. In einer handschriftlichen Notiz gab er sogar zu, nicht zu wissen, was Schönheit eigentlich sei.

Bemerkenswert für die heutige ästhetische Medizin: Der Künstler, der Schönheit berechnen wollte, endete bei der Vielfalt.

Michael Wolgemut: Was hat Dürers Lehrmeister geschaffen?

Michael Wolgemut führte eine der größten spätgotischen Künstlerwerkstätten Nürnbergs, in der Altartafeln, Glasfenster und Druckgrafik entstanden. Von 1486 bis 1489 lernte Dürer bei ihm das Handwerk.

Wolgemuts bekanntestes Projekt ist die Schedelsche Weltchronik von 1493, gedruckt von Anton Koberger in Nürnberg. Die Holzschnitte stammen aus Wolgemuts Werkstatt, an der auch Wilhelm Pleydenwurff beteiligt war: rund 1.800 Abbildungen, gedruckt von etwa 645 Druckstöcken. Es ist ein frühes Beispiel dafür, wie ein Bild reproduzierbar wird und dadurch das Bildgedächtnis einer ganzen Epoche prägt.

1516 malte Dürer seinen alten Lehrer: ein kleines Bildnis in Öl auf Lindenholz, rund 30 mal 28 Zentimeter, heute im Germanischen Nationalmuseum. Die Inschrift nennt Wolgemuts Namen und sein Alter von 82 Jahren. Auffällig ist, wie ungeschönt das Porträt ist. Dürer glättet nichts, er zeigt ein altes Gesicht mit Würde. Diese Haltung, ein Gesicht als das zu zeigen, was es ist, ist auch in der ästhetischen Chirurgie ein guter Maßstab.

Peter Vischer der Ältere und das Sebaldusgrab in St. Sebald

Peter Vischer der Ältere war kein Maler, sondern Rotschmied und Erzgießer. Sein Hauptwerk steht in der Sebalduskirche: das Sebaldusgrab, eine bronzene Architektur, die den silbernen Schrein mit den Gebeinen des Stadtpatrons Sebaldus umschließt. Den Auftrag erhielt er 1507, die ersten Teile wurden laut Inschrift 1508 gegossen, 1519 nennt die Sockelinschrift als Jahr der Vollendung. Ausgeführt hat er das Werk gemeinsam mit seinen Söhnen Peter dem Jüngeren und Hermann.

Das Grabmal ruht auf Delphinen und Schnecken, die als Sinnbilder gelesen wurden. In einer Nische der Ostseite steht eine Statuette, die Vischer selbst zeigt, im Schurzfell des Handwerkers und mit Werkzeug. Der Meister stellt sich also nicht als Genie dar, sondern als Arbeiter an seinem Werk.

Veit Stoß und der Englische Gruß in St. Lorenz

Veit Stoß arbeitete von 1477 bis 1496 in Krakau, wo er zwischen 1477 und 1489 den fünfflügeligen Marienaltar der dortigen Marienkirche schuf, mit annähernd 200 Figuren aus Lindenholz. 1496 kehrte er nach Nürnberg zurück.

Sein bekanntestes Nürnberger Werk hängt frei im Chor von St. Lorenz: der Englische Gruß, auch Engelsgruß genannt, geschnitzt 1517 bis 1518 im Auftrag des Patriziers Anton II. Tucher, damals Vorderster Losunger der Stadt. Die Figuren von Maria und dem Erzengel Gabriel messen 2,20 und 2,17 Meter, umgeben von Engeln und einem Rosenkranz. Im Juli 1518 wurde die Gruppe in den Hallenchor gehoben.

Sehenswert ist auch das Sakramentshaus in derselben Kirche, geschaffen von Adam Kraft zwischen 1493 und 1496: ein 20,11 Meter hoher und 3,40 Meter breiter Turm aus Sandstein. Sein Sockel wird von drei Figuren getragen. Die mittlere ist ein Selbstbildnis Adam Krafts, die beiden anderen zeigen vermutlich seine Gesellen.

Was verbindet Renaissancekunst und plastische Chirurgie?

Zwischen einem Erzgießer von 1519 und einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie im 21. Jahrhundert liegen fünfhundert Jahre. Der gedankliche Faden ist trotzdem erkennbar:

  • Proportion: Beide arbeiten mit Verhältnissen, nicht mit Einzelmaßen. Ein Gesichtsdetail wirkt nie für sich, sondern immer im Verhältnis zum Ganzen.
  • Anatomie: Dürer zeichnete Muskeln, Sehnen und Gelenke, um Bewegung glaubhaft darzustellen. Ohne dasselbe Verständnis der Schichten unter der Haut ist chirurgische Planung nicht möglich.
  • Individualität: Dürers Proportionslehre endet bei der Vielfalt der Körpertypen. Auch in der ästhetischen Medizin ist die Ausgangslage jedes Menschen unterschiedlich.
  • Handwerk: Die Präzision von Wolgemuts Holzschnitten oder Vischers Bronzen entsteht durch Übung, nicht durch Talent allein. Für Nahttechnik und Narbenführung gilt dasselbe.

In der Praxis BONITAS am Kornmarkt in Nürnberg verstehen wir unsere Arbeit in diesem Sinn: als medizinisches Handwerk mit einem geschulten Auge für Form und Verhältnis. Alejandro Marti ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und in Deutschland und Spanien fachärztlich anerkannt. Was im Einzelfall medizinisch sinnvoll und möglich ist, klärt immer das persönliche Gespräch und die Untersuchung.

Passend dazu schuf Dürer um 1509 bis 1511 eine kleine Federzeichnung, auf der er mit dem Finger auf eine gelb markierte Stelle seiner Körperseite zeigt. Ob er damit wirklich einen Arzt konsultierte, ist in der Forschung umstritten. Die Geste selbst kennt jede Sprechstunde bis heute.

Kunst in Nürnberg heute: vom Germanischen Nationalmuseum zum Neuen Museum

Die Nürnberger Kunstgeschichte endet nicht in der Renaissance. Das Germanische Nationalmuseum in der Kartäusergasse verwahrt die genannten Dürer-Tafeln und das Wolgemut-Bildnis und ordnet sie in die Kulturgeschichte des deutschsprachigen Raums ein.

Den Gegenpol bildet das Neue Museum, das Staatliche Museum für Kunst und Design am Klarissenplatz. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet, entworfen vom Berliner Architekten Volker Staab, und zeigt auf über 3.000 Quadratmetern Kunst und Design von 1945 bis in die Gegenwart.

Beide Häuser stellen im Kern dieselbe Frage: die Renaissance nach dem richtigen Maß, die Moderne nach guter Form. In einer Zeit, in der Selfies, Filter und digitale Selbstbilder unsere Wahrnehmung des eigenen Gesichts stärker prägen als je zuvor, ist diese Frage alles andere als museal.

Häufige Fragen zu Nürnbergs Künstlern

Welche Werke von Albrecht Dürer kann man in Nürnberg sehen?

Im Germanischen Nationalmuseum hängen unter anderem Dürers Tafeln Kaiser Karl der Große und Kaiser Sigismund (um 1511/13) sowie sein Bildnis des Michael Wolgemut von 1516. Das Albrecht-Dürer-Haus zeigt sein Wohn- und Werkstattgebäude mit Druckwerkstatt und wechselnden Grafikausstellungen im Graphischen Kabinett. Viele seiner bekanntesten Gemälde befinden sich heute in anderen Sammlungen.

Wo steht der Englische Gruß von Veit Stoß?

Der Englische Gruß hängt im Chor der Lorenzkirche in Nürnberg. Veit Stoß schnitzte ihn 1517 bis 1518 aus Lindenholz im Auftrag von Anton II. Tucher. Die Figuren von Maria und Gabriel sind 2,20 beziehungsweise 2,17 Meter hoch. Im Juli 1518 wurde das Werk in den Hallenchor gehoben.

Was ist das Sebaldusgrab?

Das Sebaldusgrab in der Sebalduskirche ist eine bronzene Architektur von Peter Vischer dem Älteren und seinen Söhnen. Sie umschließt den Schrein mit den Gebeinen des Stadtpatrons Sebaldus. Der Auftrag erging 1507, die ersten Güsse erfolgten 1508, die Sockelinschrift nennt 1519 als Jahr der Vollendung. An der Ostseite steht eine Statuette, die Peter Vischer selbst in Arbeitskleidung zeigt.

Hat Dürer ein festes Schönheitsideal festgelegt?

Nein. Dürer suchte zunächst ein berechenbares Idealmaß, sichtbar im Kupferstich Adam und Eva von 1504. In seinen 1528 gedruckten Vier Büchern von menschlicher Proportion konstruierte er dagegen zahlreiche unterschiedliche Körpertypen von Männern, Frauen und einem Kind sowie Verfahren, Maße gezielt zu verändern. In einer handschriftlichen Notiz räumte er ein, nicht sagen zu können, was Schönheit sei. Sein Werk endet bei der Vielfalt, nicht bei einer Norm.

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